Hilfen zur Erziehung

demokratie_im_heim


Kontakt

Prof. Dr. Kathrin Aghamiri
E-Mail: k.aghamiri (at) fh-muens­ter (dot) de

Dr. Remi Stork
E-Mail: r.stork (at) muens­ter (dot) de

Partizipation in den Hilfen zur Erziehung

Partizipation von Kindern und Jugendlichen ist in den Hilfen zur Erziehung beson­ders not­wen­dig und beson­ders schwie­rig zugleich. Notwendig des­halb, weil Erziehungshilfen die Person und das Leben der Mädchen und Jungen exis­ten­zi­ell betref­fen. Nicht zuletzt erfor­dern teil­sta­tio­nä­re und sta­tio­nä­re Hilfen zur Erziehung auf Zeit die Bewältigung des Lebens an einem neu­en Lebensort mit Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern, die man sich nicht sel­ber aus­su­chen konn­te. Die Runden Tische der Bundesregierung zur Geschichte der Heimerziehung und zum sexu­el­len Missbrauch in Institutionen haben ver­deut­licht, dass die Rechte und die Mitbestimmungsmöglichkeiten jun­ger Menschen in Einrichtungen der Jugendhilfe immer wie­der ein­ge­schränkt wur­den und auch heu­te noch die Gefahr des Machtmissbrauchs durch die Erwachsenen oder durch Mitbewohnerinnen und Mitbewohner besteht.

Trotz die­ser mitt­ler­wei­le recht gut auf­ge­ar­bei­te­ten Geschichte der Hilfen zur Erziehung bzw. beson­ders der Heimerziehung als Teil die­ses Handlungsfeldes gibt es in der Praxis noch nicht über­all ein aus­ge­präg­tes Verständnis für die Bedeutung von demo­kra­ti­scher Mitsprache, Mitbestimmung und Teilhabe. Finanzierungs- und Strukturlogiken des Handlungsfeldes haben in den letz­ten 20 Jahren dazu bei­ge­tra­gen, dass die Behebung von Entwicklungsdefiziten bzw. „Störungen“ der Mädchen und Jungen bei der Beauftragung der Anbieter von Hilfen zur Erziehung im Rahmen der Hilfeplanung im Vordergrund stand. Die Schaffung und Gestaltung eines bewusst demo­kra­ti­schen, ent­wick­lungs­för­dern­den Milieus hin­ge­gen stand in der Gunst der finan­zie­ren­den Jugendämter nicht immer an vor­de­rer Stelle.

Dabei blickt gera­de das Feld der Hilfen zur Erziehung auch auf eine stol­ze Geschichte der Demokratieerziehung zurück. Angefangen mit den sog. Kinderrepubliken, in denen gro­ße Kinderheime bereits vor über 100 Jahren mit den Ideen der Selbstverwaltung und der Selbstregierung durch Kinder und Jugendliche expe­ri­men­tier­ten bis hin zu den demo­kra­ti­schen Wohngemeinschaften, die in den 1970er Jahren in vie­len Großstädten auf­ge­baut wur­den, ist die Heimerziehung auch mit pro­mi­nen­ten Erzieherpersönlichkeiten ver­bun­den (Bernfeld, Korczak, Makarenko u.a.), die in der Ausbildung von päd­ago­gi­schen Fachkräften durch­aus eine Rolle spie­len.

Durch das neue Bundeskinderschutzgesetz, das seit dem 01.01.2012 in Kraft getre­ten ist, erhält das Thema Partizipation in den sta­tio­nä­ren und teil­sta­tio­nä­ren Hilfen zur Erziehung auch for­mal eine neue Bedeutung. Die Vorlage qua­li­fi­zier­ter Partizipationskonzepte wird nun zur Bedingung für die Erteilung von Betriebserlaubnissen durch die Aufsichtsbehörden, da der Gesetzgeber die grund­le­gen­de Bedeutung einer demo­kra­ti­schen Erziehungspraxis für den Schutz der Kinderrechte und die Sicherung des Kindeswohls in päd­ago­gi­schen Organisationen erkannt hat.

Das Institut für Partizipation und Bildung kann z.B. unter­stüt­zen bei

  • der Begleitung von Einrichtungen, die ihre Konzepte par­ti­zi­pa­tiv wei­ter ent­wi­ckeln möch­ten
  • der Durchführung von Weiterbildungen und Schulungen zum Thema Partizipation
  • der Gestaltung von Fachtagen zum Thema Partizipation
  • der Entwicklung von Modellprojekten zum Thema Partizipation